Dienstag, 23. Juni 2015

Beginn der Arbeit in Ouyadav und Lumphat

Das Projekt arbeitet in 4 Distrikten der Provinz Ratanakiri. Die grössten sind Lumphat und Ouyadav. In Koun Mom gab es Probleme mit Überschwemmungen der Futterpflanzen, deshalb gibt es nicht mehr so viele Projektbetriebe und in Ou Chum begann das Projekt erst im Jahr 2014 zu arbeiten.
Für den Anfang fokussierten wir deshalb auf die ersten beiden Distrikte. Lumphat ist etwa 30 km von Banlung entfernt, die einzelnen Betriebe liegen entlang der grossen Hauptstrasse. Hier werden Pfeffer, Gummibäume, Cashew, Cassava, Reis und Sojabohnen angebaut. Die meisten Betriebe haben 2-7 Rinder, ein paar Hühner und Büffel. Im sonst eher hügeligen Ratanakiri, ist Lumphat eher flach und gut geeignet für den Reisanbau. Hier leben mehrere verschiedene ethnische Minderheiten. Die Futterpflanzen wachsen auf den meisten Projektbetrieben nach der Trockenzeit schön nach. Einige hatten sogar die Möglichkeit zu bewässern. Auf einem Betrieb sah die Futterfläche ziemlich trostlos aus. Der Bauer hatte einen Motorradunfall und lag im Spital. Die Familie liess dann alle Tiere frei rumgrasen und kümmerte sich nicht mehr um die Futterpflanzen.
Ouyadav liegt knapp 50 km von Banlung entfernt. Hier leben vor allem Leute der Cha Ray Minderheit. Diese Gruppe lebt in Dörfern, die Häuser sehr eng aneinander gereiht. Das Kulturland liegt deshalb weiter entfernt und rund ums Haus hat es nur wenig Platz für Futterpflanzen. Die meisten Betriebe halten Kühe, Büffel, Schweine und Hühner. Am Morgen sind die Tiere alle noch auf den Strassen im Dorf und man muss sich vor den recht imposanten Büffeln in Acht nehmen. Ansonsten bauen sie auch hier Pfeffer, Cashew, Gummibäume und Cassava an. In der hügeligen und höher gelegenen Gegend eignet sich der Reisanbau weniger gut. Hier konnte ich schon zweimal eine Zeremonie miterleben. Bei der einen opferten sie einen kleinen Büffel und ein Schweinchen um Glück für eine Hochzeit zwischen zwei Verwandten zu erhalten. Die Tiere wurden totgeschlagen und verbrannt. Genaueres zu den Zeremonien und deren Hintergründe konnte ich noch nicht erfahren, da Ratha und Sela auch nicht mehr darüber wissen. Bei der zweiten Zeremonie war ein Mann durch einen Steinschlag verstorben. Zur Feier (!) des Tages wurde ein grosser Büffel geopfert, gelacht und viel Bier getrunken. Mir wurde erzählt, dass die Cha Ray nur Wasser aus ihrer eigenen Quelle trinken. Wenn man ihnen Trinkwasser bringt, schütten sie das aus und füllen die Flaschen mit ihrem eigenen Wasser. Wenn man die Bauern interviewt, geben wir ihnen meist eine Seife als kleines Dankeschön. Die Cha Ray benutzen die Seife um die Tiere zu waschen, da sie sich nicht verunreinigen wollen.
Es ist sehr spannend die unterschiedlichen Gebräuche und Kulturen kennen zu lernen. Vieles ist für mich noch unerklärlich und oft überkommt mich so ein schockiert-fasziniertes Gefühl, wenn ich solche Dinge sehe.

Für meine Arbeit konnte ich bis hierhin leider noch nicht viel machen. Am Anfang fehlten mir noch die nötigen Informationen und dann war mein Übersetzter Sela für zwei Wochen abwesend. In der Zeit habe ich mit Anna und Ratha bei den Bauern gearbeitet, oder Anna für ihre Arbeit geholfen. Bei einem Bauern in Lumphat halfen wir, einen neuen Stall zu bauen. Das fing an mit dem Holz sägen im Wald. Der Bauer hatte die Bäume bereits gefällt und begann dann mit nackten Füssen die Stämme auf zu sägen. So fabrizierte er nahezu perfekte Dachlatten und kleine Balken. Danach schleppten wir das Holz durch den Wald bis zum Einachser. Der Stall besteht hier aus einem Holzzaun und einem Dach. Wenn man bedenkt, dass man das ganze Holz so zum Betrieb karren muss, ist man schrecklich froh, dass es nicht noch mehr Holz braucht ;). Ein Gerüst für den Dachbau braucht man natürlich auch nicht, man kann ja ein bisschen klettern. Generell wird noch alles von Hand gemacht. Man gräbt Löcher für die Balken, sägt die Latten mit der Handsäge zurecht und nagelt sie schlussendlich an. Auf jeden Fall wussten wir am Abend, was wir gearbeitet hatten und das war doch schon ein gutes Gefühl.

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