Das Projekt arbeitet in 4 Distrikten der Provinz Ratanakiri.
Die grössten sind Lumphat und Ouyadav. In Koun Mom gab es Probleme mit
Überschwemmungen der Futterpflanzen, deshalb gibt es nicht mehr so viele
Projektbetriebe und in Ou Chum begann das Projekt erst im Jahr 2014 zu
arbeiten.
Für den Anfang fokussierten wir deshalb auf die ersten
beiden Distrikte. Lumphat ist etwa 30 km von Banlung entfernt, die einzelnen
Betriebe liegen entlang der grossen Hauptstrasse. Hier werden Pfeffer,
Gummibäume, Cashew, Cassava, Reis und Sojabohnen angebaut. Die meisten Betriebe
haben 2-7 Rinder, ein paar Hühner und Büffel. Im sonst eher hügeligen
Ratanakiri, ist Lumphat eher flach und gut geeignet für den Reisanbau. Hier
leben mehrere verschiedene ethnische Minderheiten. Die Futterpflanzen wachsen
auf den meisten Projektbetrieben nach der Trockenzeit schön nach. Einige hatten
sogar die Möglichkeit zu bewässern. Auf einem Betrieb sah die Futterfläche
ziemlich trostlos aus. Der Bauer hatte einen Motorradunfall und lag im Spital.
Die Familie liess dann alle Tiere frei rumgrasen und kümmerte sich nicht mehr um
die Futterpflanzen.
Ouyadav liegt knapp 50 km von Banlung entfernt. Hier leben
vor allem Leute der Cha Ray Minderheit. Diese Gruppe lebt in Dörfern, die
Häuser sehr eng aneinander gereiht. Das Kulturland liegt deshalb weiter
entfernt und rund ums Haus hat es nur wenig Platz für Futterpflanzen. Die
meisten Betriebe halten Kühe, Büffel, Schweine und Hühner. Am Morgen sind die
Tiere alle noch auf den Strassen im Dorf und man muss sich vor den recht
imposanten Büffeln in Acht nehmen. Ansonsten bauen sie auch hier Pfeffer,
Cashew, Gummibäume und Cassava an. In der hügeligen und höher gelegenen Gegend
eignet sich der Reisanbau weniger gut. Hier konnte ich schon zweimal eine
Zeremonie miterleben. Bei der einen opferten sie einen kleinen Büffel und ein
Schweinchen um Glück für eine Hochzeit zwischen zwei Verwandten zu erhalten.
Die Tiere wurden totgeschlagen und verbrannt. Genaueres zu den Zeremonien und
deren Hintergründe konnte ich noch nicht erfahren, da Ratha und Sela auch nicht
mehr darüber wissen. Bei der zweiten Zeremonie war ein Mann durch einen
Steinschlag verstorben. Zur Feier (!) des Tages wurde ein grosser Büffel
geopfert, gelacht und viel Bier getrunken. Mir wurde erzählt, dass die Cha Ray
nur Wasser aus ihrer eigenen Quelle trinken. Wenn man ihnen Trinkwasser bringt,
schütten sie das aus und füllen die Flaschen mit ihrem eigenen Wasser. Wenn man
die Bauern interviewt, geben wir ihnen meist eine Seife als kleines Dankeschön.
Die Cha Ray benutzen die Seife um die Tiere zu waschen, da sie sich nicht
verunreinigen wollen.
Es ist sehr spannend die unterschiedlichen Gebräuche und
Kulturen kennen zu lernen. Vieles ist für mich noch unerklärlich und oft
überkommt mich so ein schockiert-fasziniertes Gefühl, wenn ich solche Dinge
sehe.
Für meine Arbeit konnte ich bis hierhin leider noch nicht
viel machen. Am Anfang fehlten mir noch die nötigen Informationen und dann war
mein Übersetzter Sela für zwei Wochen abwesend. In der Zeit habe ich mit Anna
und Ratha bei den Bauern gearbeitet, oder Anna für ihre Arbeit geholfen. Bei
einem Bauern in Lumphat halfen wir, einen neuen Stall zu bauen. Das fing an mit
dem Holz sägen im Wald. Der Bauer hatte die Bäume bereits gefällt und begann
dann mit nackten Füssen die Stämme auf zu sägen. So fabrizierte er nahezu
perfekte Dachlatten und kleine Balken. Danach schleppten wir das Holz durch den
Wald bis zum Einachser. Der Stall besteht hier aus einem Holzzaun und einem
Dach. Wenn man bedenkt, dass man das ganze Holz so zum Betrieb karren muss, ist
man schrecklich froh, dass es nicht noch mehr Holz braucht ;). Ein Gerüst für
den Dachbau braucht man natürlich auch nicht, man kann ja ein bisschen
klettern. Generell wird noch alles von Hand gemacht. Man gräbt Löcher für die
Balken, sägt die Latten mit der Handsäge zurecht und nagelt sie schlussendlich
an. Auf jeden Fall wussten wir am Abend, was wir gearbeitet hatten und das war
doch schon ein gutes Gefühl.
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen